Tankdesinfektion - Praktische Vorgehensweise

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Aus Camping-Wiki

Inhaltsverzeichnis


Unser Wasser lebt

Wer einmal längere Zeit einen Eimer mit Wasser im Garten hat stehen lassen, kennt das: Nach wenigen Tagen hat sich an den Wänden des Eimers ein grünlicher Belag gebildet. Algen. Der gleiche Eimer im dunklen Raum: Es dauert sehr viel länger, aber auch hier bildet sich an den Wänden ein schleimiger Belag.
Und das ist völlig normal und braucht niemand beunruhigen. Unser Körper kann mit den im normalen Trinkwasser enthaltenen Bakterien, Keimen und Organismen umgehen und ein gesundes Abwehrsystem wird dabei nicht einmal gefordert. Fremde Keime, z.B. im Ausland oder starke Verschmutzung des Wassers führen da zu den bekannten Ergebnissen, als Montezumas Rache bekannt oder einfach als Durchfall

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Trinkwasser im Tank

Im normalen Wohnmobiltank ist Trinkwasser aber gut aufgehoben und wie das Leitungswasser auch, direkt trinkbar. Doch auch der sauberste Tank und die schönsten Leitungen brauchen irgendwann Pflege.

Seit vielen Jahren geistern die wildesten Reinigungsideen durch die Welt. Ich erinnere mich an die 90er, wo Gebissreinigungstabs die tollste Empfehlung waren. Das Wasser aus dem Behälter schmeckte entsetzlich, aber das gute Gewissen machte das wett. Dann kamen chemische Reinigungsmittel und Entkeimer und später eher dem metaphysischen zuzuordnende Geräte und Steine. Filtersysteme, Silberionen und UV-Lampen folgten.

Mittlerweile dürfte klar sein: Im Dschungel brauche ich eine echte Entkeimungsanlage, in Deutschland und Europa reicht eine durchdachte Reinigung des Tanks und der Rohrleitungen. Die Campingindustrie verdient sich eine goldene Nase mit diversen Mittelchen zu abenteuerlichen Preisen, gewöhnliche Bleichlauge reicht völlig aus. Wir kaufen dazu das blaue DanKlorix und orientieren uns an der hervorragenden Studie von Wolfgang Geiger hier im Camping-Wiki Tankdesinfektion_und_Reinigung.

Unser Wohnmobil

Da unser Wohnmobil gebraucht war, staunte ich bei der ersten Reinigung nicht schlecht, als ich das Füllrohr des Wassertanks genauer begutachtete:
Da einfaches spülen in einem solchen Fall nicht mehr hilft, baute ich den Schlauch aus und das Ergebnis dürfte jeden Wohnmobilbesitzer ängstigen. So sieht eine Leitung aus, die noch dazu ab und an Licht bekommt. Das freut jede Alge:


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Der erste Gedanke war: austauschen.

Da der am Ort ansässige Megastore schon geschlossen hatte, war der zweite Gedanke: putzen.
Eingelegt in Wasser und Bleichlauge und mit einer gewöhnlichen Flaschenbürste geschrubbt, kann sich das Ergebnis sehen lassen:

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Als nächstes kommt der Tank und die Leitungen an die Reihe.

Ein Liter DanKlorix auf 100 Liter Wasser sind ausreichend. Mehr beschleunigt den Vorgang, macht ihn deswegen aber nicht besser. Für die gesamte Reinigung, mit Einwirkzeit und Spülen sollte man fünf Stunden einplanen. Wer also abends etwas vorhat, muss entsprechend früh anfangen. Da der Chlorgeruch einige Zeit im Raume steht, sollte man wenigstens drei Tage bis zu nächsten Ausfahrt einplanen.


Die Bleichlauge wird in den Tank geschüttet und dieser komplett gefüllt, bis das Wasser auch über den Überlauf abläuft. Denn der soll ja auch etwas von der Reinigung haben. Anschließend fahre ich eine Runde mit dem Wohnmobil, um die Lauge in den letzten Winkel des Tanks zu schaukeln – z.B. zur nächsten Tankstelle, um den Luftdruck zu prüfen, so kann man das Nützliche mit dem Notwendigen verbinden.


Die Brühe eine gute Stunde einwirken lassen und nun über die Wasserhähne einige Liter ablaufen lassen. Noch nicht alles! Nur so viel, dass in allen Leitungen Bleichlauge wirken kann. Dann wieder einige Zeit warten, und Wasserhähne wieder öffnen, damit frische Bleichlauge in den Rohren wirken kann. Die Toilettenspülung nicht vergessen! Den Vorgang nach belieben wiederholen. Ich mache das vier bis fünf mal. Dann das gesamte Wasser durch die Wasserhähne in den Abwassertank ablaufen lassen. Also einfach Waschbecken, Dusche usw. auf, bis die Pumpe leer läuft. Nun den Hauptschalter der Pumpe ausschalten und wieder eine Runde fahren, damit auch der Abwassertank in allen Ecken gespült wurde. Anschließend wieder eine Stunde einwirken lassen. Derweil kann man den Frischwassertank wieder füllen.


Nun den Abwassertank entsorgen und mit dem Spülvorgang beginnen.

Einfach das frische Wasser wieder durch alle Hähne in den Abwassertank laufen lassen. Anschließend entsorgen. Das ganze drei bis vier Mal wiederholen.

Der Tank muss nicht jedes Mal ganz gefüllt sein. Die Bleichlauge wird nach diesen Spülvorgängen so weit verdünnt sein, dass man sie nicht mehr wahrnimmt. Die geringen Mengen, wenn überhaupt, zersetzen sich im Zeitverlauf und sind ungefährlich.


Ein bis zweimal im Jahr sollte man diese Prozedur seinem Tank gönnen. Dann kann man sich das ganze Jahr über sauberes Wasser erfreuen!


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Text- und Bildrechte bei Jürgen Rode.

Dieser Artikel wurde erstellt von Jürgen Rode.

Die Website von Jürgen Rode: http://womo.omniro.de

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